Ausbildung

Golden Retriever sind intelligente Hunde. Wenn sie erst einmal so mit ca. einem Jahr schulreif sind und dann endlich lesen können, empfehle ich die Anschaffung einschlägiger Fachbücher über Dummytraining, Basistraining und andere gewünsche Hundesportarten. Wichtig ist, das Gelesene dann in der Praxis zu vertiefen.  aber natürlich muss vor der Schulreife erst einmal ein gewisser Grundstein im ersten Jahr gelegt werden.

Ich habe seit 2001 Golden Retriever und mir liegt die Ausbildung meiner Hunde sehr am Herzen. Am wichtigsten ist mir, dass meine Hunde gute Begleiter im Alltag sind. Angefangen damit, dass sie die Sitten und Gebräuche in unseren vier Wänden kennen und befolgen, geht es weiter mit gutem Benehmen in der Öffentlichkeit. Sie sollen sich im Auto ruhig verhalten und erst dann das Auto verlassen, wenn ich das erlaube. An der Leine sollen sie bitte nicht zerren, sie sollen auf mich achten und nicht anderen Menschen und Hunden nachstellen oder diese gar anspringen. Natürlich sollen sie draußen nichts fressen, was sie alleine finden und sich bitte auch nicht in Dingen wälzen, die für mich ekelig sind. Wenn sie frei laufen, sollen sie auf das erste Kommando hin sitzen oder kommen. Sie sollen in meiner Nähe bleiben und nicht zu weit vorrennen oder hinterhertrödeln. Und schon gar nicht sollen sie jagen gehen.

 

Um diese gemeinsame Basis zu schaffen, brauchen wir ca. ein Jahr. Wie wir das anstellen, werde ich hier nach und nach berichten. Ja und dann, dann kommt noch die rassespezifische Arbeit dazu: das  Apportieren. Als Sport betrieben eine Sache mit vielen Regeln und entsprechend auch vielen Fallstricken.

 

Wie sag' ichs meinem Hunde?

 

Zu aller erst ist es wichtig, sich über die eigenen Ziele klar zu werden. So klar, dass man sie sich selber sagen oder aufschreiben könnte. Für Anfänger ist das Aufschreiben Gold wert!

Was möchte ich? Soll mein Hund niemals aufs Sofa, nur abends beim Fernsehen aufs Sofa oder darf er immer aufs Sofa? Soll er an der Leine mir nur nicht direkt den Arm ausreißen, oder ist es mir wichtig, dass er gar nicht zieht, oder soll er immer mir seiner Schulter auf der Höhe meines Knies laufen (perfektes Bei Fuß gehen). Wenn ich weiß, was ich will, dann kann die Ausbildung losgehen.

Nun kommt es darauf an, dem Hund zu zeigen, was ich von ihm möchte und zwar so, dass er es verstehen kann. Dabei ist unbedingt zu bedenken, dass Hunde nicht in dem Maße generalisieren, wie Menschen das können. Kann der Welpe also "Sitz" im Wohnzimmer, dann kann er es noch nicht in der Küche, schon gar nicht im Garten und niemals nicht, wenn er draußen einen anderen Hund sieht. Die Kunst besteht nun darin, die Schritte in der Ausbildung so klein zu gestalten, dass der Hund mir folgen kann. Dabei sollte meiner Meinung nach das Verhältnis loben zu tadeln mindestens 90:10 sein. Wenn ich häufiger meckern muss, habe ich was falsch gemacht.

 

Loben und Meckern

 

Wichtig ist das Timing, also in dem Moment, wo es richtig läuft, zu loben. Und oft loben und viel loben. Die wenigsten Menschen loben ihren Hund zu viel. Mit dem Schimpfen ist es so: Lieber einmal ordentlich, als sich einen Dauermeckertonfall anzugewöhnen. Und wenn Schimpfen nicht hilft, dann muss man handeln und den Hund korrigieren. Und wichtig ist nicht mittendrin aufzugeben! Wenn ich etwas ansage, dann wird das auch so durchgezogen, kann es der Hund noch nicht alleine, dann machen wir das zusammen. Solange, bis es klappt. Hier ein Beispiel:

 

Fine hat nach einer Maus gebuddelt und ist auf "Hier" nicht gekommen. Also bin ich zu ihr. Sie soll " Bei Fuß" mitkommen.

Die Ohren zeigen an, dass hier bei Fine noch keine wirkliche Bereitschaft zum Folgen da ist.

 

 

Nun ist sie wieder bereit zu tun, was sie soll. Ich war leicht genervt. "Warum nicht gleich so?"

Was ich auf dem letzten Bild zeige, ist grundverkehrt. Fine macht nun alles richtig, aber ich bin noch sauer. Nachtragend sein, ist zwar menschlich, aber nicht hilfreich in der Hundeerziehung. Man ist erfolgreicher, wenn man emotional abrüstet oder genau das von sich verlangt, was man von seinem Hund verlangt: Neues Spiel neue Chance, nun aber bitte richtig. Niemals nicht den Hund loben, wenn er Unsinn macht und das nach einer Korrektur sein läßt. Hunde sind klug und lernen schnell. Wenn der Hund gelobt wird, Müll wieder herzugeben, dann lernt der Hund unter Umständen ganz schnell die ganze Verhaltenskette: "Müll in den Fang nehmen - Müll bringen - Mecker anhören - Müll ausgeben - Belohnung einstreichen". Nach einer Korrektur von Blödsinn ist so ziemlich der einzige Zeitpunkt, wo loben falsch ist! Zum Stichwort "grundverkehrt" möchte ich noch drei häufige Fallstricke erwähnen:

1. Hunde verstehen keine Verneinung: Worte wie "nicht dahin" oder "nicht sitz" kann man sich direkt sparen, sie werden nicht verstanden.

2. Immer das gleiche Kommando für die gleiche Sache verwenden. Kein Hund versteht eine Litanei wie "sitz" "was hab ich gesagt?" "Fiffi!!!" "nun aber schnell" "na warte" "guck mal, die anderen machen das auch"....

3. "Sitz", "Platz" "Fuß": Alles klare Handlungsaufforderungen. Aber was ist die gewünschte Handlung bei "nein"? Ein "Nein" ist nur ein Notanker eine Handlung zu stoppen, aber gleich danach muss kommen WAS der Hund denn statt dessen tun soll. EIn schlauer Mensch hat einmal geschriebn "Kein Hund kann sich nicht verhalten." Also bitte Butter bei die Fische, sagen Sie Ihrem Hund, was er tun soll.

So lange, bis ein Hund sicher aus Erfahrung weiß, was er machen darf und was nicht und selber entscheiden kann.

Im richtigen Leben entscheiden sich Hunde dann auch gelegentlich anders, als von mir erwartet. Bewusst anders. Und dann gibt es bei uns Ärger. Da kann man als Hund auch mal beleidigt sein.

Zu hoch gepokert beim Buddeln. Plötzlich stand Herrchen neben ihr.

 

 

"Zum Waschen kommen? Niemals!!!"

Und wenn man hier lacht, dann hat man verloren. Gar nicht so einfach.

Davon sollte man sich als Mensch allerdings nicht beeindrucken lassen. Nachtragend sind Hunde nicht. Es ist eher wie bei Elefanten: Sie merken sich unser Verhalten einfach. Und so wissen sie genau, wie weit sie gehen dürfen und womit sie zu rechnen haben. So sollte es jedenfalls sein. Hundeschulen, die mit der xyz-Methode arbeiten und dabei über der Methode völlig den Menschen oder den Hund aus dem Blick verlieren, richten in der Vermittlung der reinen Lehre oft mehr Unheil an als das sie helfen. Ich kann nur jedem raten, sich kritisch mit allen Ratschlägen auseinander zu setzen und nichts zu tun oder zu lassen, was dem eigenen Empfinden und Wissen widerspricht.

 

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© Christina Roemer